Hysteresis

Nach dem Ausleihen steht der Film 48 Stunden lang zum Ansehen bereit.

Genre Animationsfilm, Experimentalfilm
Land Deutschland
Jahr 2021
Regie Robert Seidel
Länge 6 Minuten

Die Projektionen abstrakter Zeichnungen von Robert Seidel treffen auf die Choreografie der queeren Performerin Tsuki. Gleichzeitig führt der Film den Einsatz von KI ad absurdum, um die frenetische, zarte und extravagante Bildsprache der Hysterie und Hysterese offen zu legen.

In Hightech-Unternehmen, Universitäten und Künstlerateliers arbeiten unermüdlich Maschinen und erlernen die Geschichte der Menschheit. Das Urheberrecht löst sich auf sowie die Unterscheidungen zwischen Original, Nachahmung oder minderwertiger Reproduktion. Keine Herkunft, keine Verantwortung, keine klare Voreingenommenheit - nur eine Ursuppe, die in jede Form verwandelt werden kann ohne Wissenssysteme und Hierarchien zu hinterfragen. In dieser stillen, aber radikalen Umstrukturierung ganzer Industrien wird der Künstler zur Vorlage einer Zukunft, die digital aus einer Vielzahl von Fragmenten der Vergangenheit zusammengesetzt ist.

Im Experimentalfilm HYSTERESIS verschmelzen Seidels analoge Zeichnungen mit den queeren Performances von Tsuki, die zwischen Ballett, Butoh und Berliner Clubkultur oszillieren. Dabei projiziert Seidel Bewegtbildaufnahmen von ihr zurück auf ihren Körper. In einem finalen Schritt werden die Sequenzen bearbeitet und durch maschinelle Lernstrategien in einen konstanten Fluss pulsierender Bilder und räumlicher Konfigurationen geformt. Die daraus resultierenden Muybridge-artigen Silhouetten, barocken Texturen und malerischen Strukturen fluktuieren zwischen der zweiten und dritten Dimension und entfalten dabei frei schwebende Gesten, die die Naturgesetze aus den Angeln heben. Zarte Abschürfungen des Bildrahmens bauen derweil Brücken zu widersprüchlichen Verkettungen der Realität. Der Soundtrack von Oval (Markus Popp) korrodiert unaufhörlich dieses dichte Netz von Assoziationen, die drohen, die verbleibenden fragilen Bezugspunkte aufzulösen.

In einer Zeit, in der uns allen eine übergeordnete Vorhersehbarkeit aufgezwungen wird, feiert der Film die Disruption, das Nichterkennen von Mustern und die künstlerische Verfälschung von Ergebnissen, die durch künstliche Intelligenz, insbesondere maschinelles Lernen, induziert werden. Mit HYSTERESIS beschreitet Seidel neue Wege in seiner experimentellen Praxis und Zusammenarbeit. Die Absicht des Künstlers ist, einen Diskurs über die Modi der KI-Kreation zu eröffnen - über den Film und andere Medien hinaus - zu einer Singularität, in der die Geschichte zu einem einzigen Punkt in der Gegenwart reduziert wird. 

Bild © Robert Seidel

Nach dem Ausleihen steht der Film 48 Stunden lang zum Ansehen bereit.